Es muss so 1965/1966 gewesen sein, als mein Vater auf unserer Urlaubsfahrt Richtung Budapest in Wien falsch abgebogen ist. Statt Richtung Ungarn fuhren wir am Schloß Schönbrunn vorbei Richtung Innenstadt und landeten schließlich am Wiener Westbahnhof. Mir haben solche Irrfahrten immer großen Spaß gemacht, weil man einfach mehr erlebte. So sah es am Wiener Westbahnhof damals aus.
Jedenfalls, so der väterliche Beschluß, am Westbahnhof erstmal ordentlich mit Würsteln und Schwedenbombe gestärkt und dann der Kauf einer Landkarte zwecks Übersicht. Leider war meine Mutter, als gute Kartenleserin, nicht dabei und mit Papas Rechthaberei verfuhren wir uns noch mal. Vielleicht waren auch die zwei Bier Schuld die er sich am Würstelstand eingepfiffen hatte. Wir tuckerten also mit unserem Käferl am Stephansdom und anderen Sehenswürdigkeiten vorbei und wurden wegen unseres deutschen Kennzeichens munter von den Wiener Kraftfahrern angehupt und 'urdntlich' beschimpft. »Hauts eich üba de Heisa, depperte Piefke!« und heftigeres schallte durch die sommerlich geöffneten Seitenfenster. Ich fand's lustig, mein Vater gar nicht.
Als der Sprit zur Neige gehen drohte, fand sich an der Tankstelle ein rettender Engel. Ein Taxifahrer, ein echter Wiener, also vermutlich aus Slowenien, lotste uns gegen moderaten Festpreis Richtung Flughafen Schwechat und damit Richtung Budapest. Mein allererster Besuch in Wien hatte richtig Spaß gemacht und ich wurde dadurch auch Fan vom österreichischen Radio. Der Herr Trafnicek alias Helmut Qualtinger und Konsorten brachten mir dort die Untiefen der Wiener Seele und des Dialektes bei.
Am damals eisernen Vorhang der ungarischen Grenze kamen wir in der Nacht an. Für mich gruselig – aber für Papa kein Problem. Die ungarischen Grenzer waren alle bestechlich weil unterbezahlt. Herzlich willkommen im Land des Gulasch-Kommunismus.


Nach Ungarn - zurück oder auf Urlaubsreise scheint ein Problem zu sein ;).
AntwortenLöschenUnsere Reise mit dem Zug gebucht nach der Wende im Reisebüro. Umstieg in Wien Westbahnhof über Budapest (gefühlt durch ganz Ungarn) nach Héviz.
Zurück dank Miturlauber schnell mit dem Bus nach Wien.
So ein Bade-Kur-Urlaub würde mir zur Zeit auch gefallen, aber hinbeamen...
Fröhliche Grüße!
Stimmt – Direktverbindungen mit dem Bus sind schneller als Züge die an jedem Bahnhof halten. Auf Kur in Héviz waren wir noch nicht. Soll sehr gut sein und kann man ja mal ins Auge fassen. Wobei wir hier in Bayern auch gute Kurmöglichkeiten haben. Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt :)
AntwortenLöschenHerzliche Grüße!