Montag, 19. Januar 2026

In Wien falsch abgebogen

 Es muss so 1965/1966 gewesen sein, als mein Vater auf unserer Urlaubsfahrt Richtung Budapest in Wien falsch abgebogen ist. Statt Richtung Ungarn fuhren wir am Schloß Schönbrunn vorbei Richtung Innenstadt und landeten schließlich am Wiener Westbahnhof. Mir haben solche Irrfahrten immer großen Spaß gemacht, weil man einfach mehr erlebte. So sah es am Wiener Westbahnhof damals aus.

Jedenfalls, so der väterliche Beschluß, am Westbahnhof erstmal ordentlich mit Würsteln und Schwedenbombe gestärkt und dann der Kauf einer Landkarte zwecks Übersicht. Leider war meine Mutter, als gute Kartenleserin nicht dabei, und mit Papas Rechthaberei verfuhren wir uns noch mal. Vielleicht waren auch die zwei Bier Schuld die er sich am Würstelstand eingepfiffen hatte. Wir tuckerten also mit unserem Käferl am Stephansdom und anderen Sehenswürdigkeiten vorbei und wurden wegen unseres deutschen Kennzeichens munter von den Wiener Kraftfahrern angehupt und 'urdntlich' beschimpft. »Hauts eich üba de Heisa, depperte Piefke!« und heftigeres schallte durch die sommerlich geöffneten Seitenfenster. Ich fand's lustig, mein Vater gar nicht.

Als der Sprit zur Neige gehen drohte, fand sich an der Tankstelle ein rettender Engel. Ein Taxifahrer, ein echter Wiener, also vermutlich aus Slowenien, lotste uns gegen moderaten Festpreis Richtung Flughafen Schwechat und damit Richtung Budapest. Am damals eisernen Vorhang der ungarischen Grenze kamen wir in der Nacht an. Für mich gruselig – aber das wäre wieder eine andere Geschichte.  

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